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04.08.2010 - Das Insel-Tagebuch Marine-Golf-Club Sylt - Hier fing alles an

Der Marine-Golf-Club-Sylt blickt auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück. 1953 zeichnet der Royal Air Force Lt. Colin Colenso das Design für einen Golfplatz, der Krieg war lange vorbei und die britischen Besetzer fingen wohl an, sich zu langweilen und suchten nach einem Zeitvertreib. Was fällt Briten ein, wenn sie ihre Zeit vergnüglich vertreiben wollen? Golf! So bauten sie also die ersten sechs Löcher auf der Insel Sylt auf dem zuvor als Flugplatz benutzten Gelände mitten auf der Insel, direkt an Westerland angrenzend.

Bis zum Abzug der Royal Air Force lag er auf dem damaligen Militärgelände, nach dem Verschwinden der Briten in den 60er Jahren nutzt Axel Springer den Platz, gerät aber über die langfristige Verwendung des Geländes in Zwist mit der Gemeinde und baut sich kurzerhand seinen eigenen Golfplatz in Morsum. Die sechs Golflöcher am Flugplatz geraten in Vergessenheit, der Platz wird Brachland. 1979 wird der spätere Kapitän zur See Eduard Wismeth als Kommandeur zur Marinefliegerlehrgruppe versetzt, die das Flugplatzgelände nutzt.

Auf seine Initiative wird 1980 der „Marine-Golf-Club e.V.“ gegründet, bietet schließlich auch Zivilisten die Mitgliedschaft und eine golferische Heimat an. Mit der deutschen Einheit war auch der Standort Westerland obsolet, die Zukunft des Klubs stand in den Sternen. Nach langen Verhandlungen wurde das Gelände im Flächennutzungsplan als Golfplatzgelände ausgewiesen und festgeschrieben. 1998 wird der Marine-Golf-Club Eigentümer des 67 Hektar großen Geländes zwischen Wenningstedt-Braderup und Sylt-Ost, im Juli 2004 werden weitere 13 Hektar vom Bund erworben, nun reicht das Gelände für einen weitläufigen 18-Loch-Golfplatz. Der schottische Golf-Architekt und Links-Experte Kenneth J. Moodie bekommt den Auftrag für einen kompletten Neubau des Platzes, am 1. September 2006 erfolgt die lang erträumte Einweihung des neuen Golfplatzes, im April 2008 wurde das neue Klubhaus eingeweiht. Die Rechtsform des Klubs ist ungewöhnlich, er existiert in der Rechtsform einer „gemeinnützigen Genossenschaft“.

Der Platz ist ein typischer Links-Golfplatz, auch wenn er nicht in den Dünen zwischen Meer und fruchtbarem Ackerland liegt. Kein einziges Loch liegt direkt am Wasser, aber der Platz ist trotzdem sehr attraktiv. Vier Abschläge gibt es, von den hinteren Herren-Tees summieren sich die 18 Bahnen zu 6276 Metern, das ist amtlich. Die regulären Herrenabschläge kommen auch noch auf immerhin 5854 Meter. Auch die Damen müssen sich noch mit 5486 Metern auseinandersetzen.

Greenfee wird in einem Starterhäuschen am 1. Abschlag entrichtet, an dem Tag, als wir den Platz testeten, war die ältere Dame völlig überfordert mit dem Andrang, ihr Ton wurde richtig pampig. Vier Spieler gleichzeitig, und der nächste Flight schon dahinter, das war zuviel. Das Greenfee ist das günstigste auf Sylt: vom 16.06-15.09. kostet es zwischen 10 und 14 Uhr 70 Euro für 18 Löcher, bis 9.50 und nach 14 Uhr 60 Euro. In der Neben- und Wintersaison kann man auch 9 Löcher spielen (35 bzw. 25 Euro).

Dem guten Eindruck des Platzes hat der holprige Start aber nicht geschadet. Vor allem das letzte Drittel des Platzes, die Bahnen 13 bis 18, sind ein tolles Finale für eine Runde, die schon mit guten Löchern begonnen hat. Der Platz hat die Eigenschaften, die einen Linksplatz charakterisieren: harte Fairways und Grüns, tiefe Bunker, Buschgruppen und Hügel, die mit hohem Rough bewachsen sind. Harte Grüns, die Bälle müssen vor dem Grün landen und zur Fahne laufen. Dazu kommt hier wie bei allen Sylter Plätzen der Wind als entscheidender Faktor. Wenn er über das Gelände bläst, ist gelegentliches Nachladen unvermeidlich. Und der guten Laune der Spieler scheint das kaum Abbruch zu tun, selten habe ich in einem Golfklub so viele freundliche Spieler getroffen. Jeder grüßt jeden, das würde ich mir in meinem Heimatklub auch wünschen!

Die Gastronomie im Klub haben wir unter die Lupe genommen, das Essen hat uns nicht wirklich überzeugt. Aber das Klubhaus ist ja relativ neu, und es ist doch auch ganz schön, wenn es Raum für Verbesserungen gibt.<br /> Sehr gut sortiert ist der Proshop, er bietet ein komplettes Sortiment, die Bedienung ist fachkundig und kompetent. Es gibt Leihschläger, der Proshop ist Teil der Golfakademie Andreas Strandberg. Der 43jährige Schwede hat einen schwedischen Vater und eine deutsche Mutter, lebt seit 1994 auf Sylt. Acht Jahre hat er im GC Sylt gearbeitet, seit 2002 ist er Head Professional  des Marine-Golf-Klubs, er ist auch für die Driving Range und den Pro Shop zuständig, den seine Frau Henriette engagiert betreibt. Er bietet Anfängerkurse, Intensivkurs, Jugendwochen und Jugendleistungskurse an.

Der Marine-Golf-Club Sylt wird in der Regel etwas niedriger eingestuft als die übrigen Plätze auf der Insel. Das ist Unsinn, auch hier kann man eine wunderbare Golfrunde erleben, ein Linksplatz ist eben von Natur aus etwas rauer als ein ondulierter Wald- und Wiesenplatz.

Bernd J. Störtebek

Marine-Golf-Club Sylt
http://www.sylt-golf.de/index.php

Golfakademie Strandberg
http://www.golf-sylt.com/index_all.htm 

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