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13.09.2016 - Vor den Toren Stockholm liegt einer der schönsten Golfanlagen Europas. Strahlendes Nordlicht: Bro Hof Slott

Der schwedische Norden ist nicht unbedingt eine Region, bei der Golfer an spektakuläre Plätze denken. Doch wer einmal Bro Hof Slott nahe Stockholm besucht hat, wird staunen. Die Golfanlage mit zwei 18-Loch-Plätzen zählt mit zum Besten, was ein Golfer auf seine Agenda nehmen kann. Wir haben beide Plätze - den "Stadium Course" und den "Castle Course" - unter die Lupe genommen.

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Der erhöhte Abschlag der ersten Bahn des "Stadium Course" von Bro Hof Slott. ©Störtebek

Schwedens Haupstadt Stockholm ist eine Stadt voller Geschichte, voller Kultur und voller Attraktionen. Die Stadt hat sich im Laufe der Jahrhunderte über 14 Inseln ausgebreitet, öffnet sich dann zur Ostsee. Vor allem ist es die historische Altstadt um den Stadtkern mit ihren Prachtbauten, mit dem königlichen Palast, mit den gothischen Kirchen und vielen Cafés, Bars und Restaurants, die zum Verweilen einladen. Gute Hotels liegen direkt in der ersten Reihe am Wasser, ein Tipp ist das Hotel Diplomat im Herzen der City. Der Flughafen Arlanda wird von den großen deutschen Flughäfen auch direkt angeflogen, ab Hamburg dauert der Flug gerade mal 80 Minuten.

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Die vielen Sandbunker auf dem Platz sind nicht vollständig zu vermeiden. ©Störtebek

Die Attraktion für Golfer liegt eine dreiviertel Stunde vom Zentrum entfernt. "Bro Hof Slott" heisst das Ziel und es ist ein absolutes Highlight! Das Golferherz schlägt schon höher, wenn sich das Tor zur Anlage öffnet, am Ende der Allee grüßt das schloßähnliche Herrenhaus. Eigentlich war es eine Ruine, als der Investor die Anlage übernahm, nach gründlicher Restauration wurde es ein Schmuckstück. Das Schmuckstück gilt auch für die Golfanlage, die vom Stararchitekt Robert Trent Jones jr. entworfen wurde. Ihm stand allerdings auch ein Gelände zur Verfügung, das wie geschaffen für einen Golfplatz der Extraklasse ist. Weitläufig am riesigen Malärensee gelegen. Robert Trent Jones Jr. wird wie folgt zitiert: "Die Löcher sind länger, die Grüns sind größer, der Wind ist immer ein Faktor." Die Vorgaben waren ambitoniert, die Anlage sollte so gut sein, dass sie für einen schwedischen Ryder Cup passen könnte, das hat sich erledigt, Italien bekam den Zuschlag. Aber die European Tour kommt immer wieder vorbei, das "Scandinavian Masters" kommt regelmäßig nach Bro Hof Slott.

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Viele Abschläge bieten großartige Rundum-Ausblicke zum Geniessen. ©Störtebek

Der "Stadium Course" bestätigt das. Wer auf dem erhöhten ersten Abschlag des im Jahre 2007 eröffneten Platzes steht, hat einen weiten Blick in die Landschaft, sieht ein halbes Dutzend Fahnen im Wind und kann sich zu Recht auf jedes Loch freuen. Die Runde beginnt mit einem Par 5, von den gelben Herrenabschlägen ist es 527 Meter lang. Es macht einen gleich mit all den Schwierigkeiten vertraut, die auf allen Löchern vorhanden sind. Große Bunker, denen man gewiss nicht immer aus dem Weg gehen kann, dazu ein Grün, das riesig ist und mit heftigen Breaks höchste Konzentration erfordert. Fünf Abschläge sorgen dafür, dass Handicapper aller Klassen nicht vor unlösbare Aufgaben gestellt werden. Unlösbar ist die Bewältigung des Platzes für Amateure aller Klassen von den schwarzen Abschlägen, da ist dieses Loch gleich 578 Meter lang, der ganze Platz endet dann bei 7.266 Metern. Unspielbar für Amateure, auch für niedrige einstellige Longhitter. Selbst die Pros haben hier ihre Probleme, wie der der Clubmanager mir verrät. Das "Scandinavian Masters" findet hier im Wechsel mit zwei anderen Anlagen alle drei Jahre statt, wenn es sehr windig wird, werden auch für die besten Golfer der Welt die Abschläge nach vorn verlegt. Loch 3 ist ein Par 3 mit 219 Metern, Loch 6, ebenfalls Par 3, geht 228 Meter quer über einen Nebenarm des Sees. Von Gelb sind sie immerhin noch 172 und 142 Meter lang, das reicht völlig. Gelb summiert sich auf 5965 Meter, das ist guter Klubdurchschnitt. Für die Damen sind es von Rot 4858 Meter, auch das ist völlig in Ordnung. Leicht wird es deshalb noch lange nicht, die bereits oben erwähnten Grüns lassen viele Spieler verzweifeln.

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Das erhöhte Grün der 15. Spielbahn, es ist schwer anzuspielen. ©Störtebek

Wer den Platz spielt, sollte sich bei der Planung seiner Schläge nicht nur den "Stroke Saver" des öfteren anschauen, er ist im Greenfee enthalten. Aber eine gute Investition ist das zusätzliche "Green Book", es zeigt ausschließlich die Grüns, jede auch noch so kleine Welle ist dort vermerkt. Eine großartige Idee, die Schule machen sollte, ich habe so etwas vorher nur in den speziellen Birdiebüchern der Pros gesehen. Alle Löcher sind ein Genuß, trotzdem hebe ich ein paar sehr ungewöhliche Spielbahnen heraus: Loch 13 ist ein 475 Meter langes Par 5, das wie eine Sichel geformt ist und direkt am See entlang läuft. Ein Monster-Dogleg rechts! Immer wieder ist man versucht, etwas abzukürzen, aber das ist gefährlich. Ich richte mich immer wieder neu aus, um vom Wasser weg zu spielen und denke an die weise Antwort eines Golf-Psychologen auf die Frage nach dem berühmten Hundebein: Was ist ein Dogleg? Die Antwort an jedem Par 5, auch und besonders hier, lautet: drei gerade Schläge ins Grüns, zwei Putts. Loch 15 ist ein sanftes Dogleg nach links, aber nicht minder schwierig, denn das Grün am Ende der Spielbahn liegt erhöht und wird gleich von drei Seiten vom Malärensee eingerahmt. Ein echtes Inselgrün folgt dann an Bahn 17, 121 Meter und es erinnert wirklich an das berühmte Inselgrün der TPC at Sawgrass in Jacksonville. Großartig.

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Manchmal sind die Abschläge auch zusammengelegt, es zählt jeder Meter. ©Störtebek

Nach der Runde geht es in Klubhaus, bei diesem wunderbaren Herbstwetter stehen alle Flügeltüren auf, herrlich. Klassisch eingerichtet, alles vom Feinsten, es ist nicht einmal mehr zu ahnen, dass hier eine Ruine in ihren letzten Zügen lag. Die Restaurierung hat sieben Millionen Euro verschlungen, dafür bauen andere Investoren ganze Golfanlagen inklusive Klubhaus! Nach ein paar Drinks geht es zurück ins abendliche Stockholm, unser Hotel Diplomat liegt am Strandväjen. Das war wohl vor vielen hundert Jahren der Strandweg, jetzt ist es das Herz der Innenstadt und ich sehe nur Asphalt und Kopfsteinpflaster. Zum Dinner haben wir uns in einem der Sterne-Restaurants in Stockholm engemeldet, im "gastrologic". Machen wir es kurz: unsere Erwartungen sind hoch, die Enttäuschung ist groß. Das Essen bietet in den zahlreichen Gängen eigentlich nur einen, der wirklich Niveau hat: die Jacobsmuschel (handgeerntet in Norwegen) ist klasse, der Rest irgendwie geräuchert, das ist nicht unser Ding. Freuen wir uns also auf den nächsten Tag.

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Nordische Natur pur bietet der "Castle Course" auf praktisch jeder Spielbahn. ©Störtebek

Da steht der kleine Bruder des "Stadium Course" auf dem Programm, der "Castle Course". Auch ist die Eröffnung ein Par 5, es ist 518 Meter lang für die Herren und 420 Meter für die Damen. Mit 5647 Meter ist er deutlich kürzer als sein großer Bruder am See, doch der Platz wimmelt von natürlichen Hindernissen, hohe Bäume und Granitfelsen, die keck aus dem Boden schauen. Wer einen solchen trifft, kann seinen Ball im hohen Bogen im tiefen Gras oder im Wald verschwinden sehen. Suchen nicht sinnvoll, denn der so misshandelte Ball möchte nicht weiter malträtiert werden.

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Auch vom "Castle Course" gibt es nur gelegentlich Ausblicke auf den See. ©Störtebek

Wasser kommt erst auf den letzten beiden Löchern wirklich ins Spiel. Der "Castle Course" ist ebenso gut gepflegt wie der "Stadium Course", ich denke, viele Greenkeeper wären selig, wenn ihre Grüns so gut wären wie hier die Fairways. Für beide Plätze ist das Einchecken im Counter des Proshops Pflicht, ebenso die Runde im Proshop. Das Logo von "Bro Hof Slott" ist so schön, ohne ein Shirt, einen Pullover oder mindestens ein Cap kommt man hier nicht raus. Am Ende der Runde landen wir wieder an der Bar des Restaurants im Schloss und sind uns absolut sicher: we'll be back!

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Das schöne Logo von Bro Hof Slott - ein must have für Golfer mit Geschmack. ©Störtebek

Leserkommentare

19.09.2016 von Der Exilgolfer

Schöner Bericht aus einer wunderbaren Stadt und von einem wunderbaren Golfplatz. Vor dem nächsten Trip in den hohen Norden, fragt mal bei mir nach. Dann empfehle ich Euch noch ein paar andere Golfplätze sowie ein besseres Restaurant in der Stadt :-)